Das Wohnbaugebiet Buchwald am nordwestlichen Stadtrand sollte ursprünglich nach dem beschleunigten Verfahren gemäß §13b bebaut werden. Dieser Paragraph besagte, dass ein Baugebiet im Außenbereich einer Stadt ohne Umweltprüfung ausgewiesen werden kann mit dem Ziel, schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Juli 2023 wurde dieser Paragraph vom Bundesverwaltungsgericht für illegal erklärt wegen der fehlenden Umweltprüfung und weil er damit gegen bestehendes Europarecht verstieß.

Am 1.7.2024 beschlossen Bürgermeister Matthias Burth und der Gemeinderat, dass das Baugebiet nun im Regelverfahren gebaut werden soll obwohl sich zu diesem Zeitpunkt die deutsche Wirtschaft im Abschwung befand und die Bauzinsen und Materialkosten hoch waren. Nun soll im Regelverfahren gebaut werden, obwohl sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung befindet. Bauen am Buchwald ist teures Bauen in Hanglage und wird keinen günstigen und sozialgerechten Wohnraum schaffen. Wohnungsnot besteht vor allem im Bereich des sozialen Wohnungsbaus, dem das Baugebiet sicher nicht nützen wird.
Um die vorgeschriebene Bruttowohndichte von mindestens 60 Einwohnern je Hektar zu erreichen, sind neu seit dem 1.7.2024 statt drei fünf dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit jeweils 8-9 Wohnungen und mit Tiefgaragen, 37 Ein-bis Zweifamilienhäuser, 15 Kettenhäuser auf knapp 40.000qm geplant.
Die geplante Bebauung wird zu einer enormen Zunahme des Verkehrs von der Hillstrasse bis zur Schwarzhausstrasse führen. Hauptverkehrsrichtungen. Die Bewohner an und um die Schwarzhauskreuzung beklagen schon seit Jahren die enorme Belastung durch den Verkehrslärm an den Ampeln. Seit Jahren wird dort ein Verkehrskreisel diskutiert, Konkretes geschehen ist jedoch bislang nicht.
Der Autoverkehr wird überwiegend über die Hillstrasse erfolgen, da dies der direkteste Weg in die Stadt und zur B30 ist und die Einmündung der Hillstrasse in die Saulgauerstrasse auf Grund des hohen Tempos und der Unübersichtlichkeit sehr gefährlich ist. Die Hillstrasse ist schmal und hat rechts und links parkende Autos. Zu den Hauptverkehrszeiten muss in der Hillstrasse mit stockendem Verkehr und Stau gerechnet werden, was zu Abgasemissionen und Lärm für die Anwohner führt. Besorgte Bürger haben bereits mehrfach Bürgermeister Burth und den Gemeinderäten diese Problematik vorgetragen, ihre Bedenken sind jedoch zurückgewiesen worden und blieben unberücksichtigt. Das Wohlbefinden der Anwohner findet keine Beachtung!
Bitte öffnen Sie auch den Bauplan mit Legende in der Fassung vom 16.09.2024, Übersichtsplan Bauplan Buchwald und Bildstock (Bild oben)
Das geplante Baugebiet wird als klimaneutrales Projekt beworben, da Photovoltaik und Erdwärmenutzung zur Anwendung kommen sollen. Doch Wärmepumpen und Solardächer machen noch kein CO2-neutrales Baugebiet aus. Unberücksichtigt bleiben die Emissionen, die bei der Herstellung von Baumaterialien, beim Bau selbst und beim späteren Abriss oder Recycling anfallen. Zu einem klimaneutralen Baugebiet gehört außerdem ein klimaneutrales Mobilitätskonzept.
In Wahrheit wird durch das geplante Baugebiet am äußersten Rand der Stadtdie CO2- Belastung für ganz Aulendorf infolge des zunehmenden Verkehrs und durch den Verlust CO2-absorbierender Böden steigen. Das Auto wird das Hauptfortbewegungsmittel sein.
Versiegelter Boden kann kein CO2 ( Klimareport) mehr aus der Atmosphäre aufnehmen, was oft unterschätzt wird. Die organische Substanz des Bodens besteht etwa zu 50% aus Kohlenstoff und enthält mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre und die gesamte Vegetation der Erde. Nur die Ozeane sind ein noch größerer Kohlenstoffspeicher. Der Kohlenstoff wird dem Boden von den Pflanzen geliefert. Sie entziehen der Atmosphäre durch Fotosynthese CO2 und bauen es in ihre Zellen ein. Abgestorbene Pflanzenteile landen im Boden und werden von Bodenorganismen zu Kohlenstoff abgebaut.
Wo Felder und Wiesen der Bebauung weichen müssen, wird dieser Mechanismus zerstört. Dies führt zu langfristigen Klimafolgen lokal, regional und global. Landnutzung spielt eine zentrale Rolle im Klimasystem.
Klimaforscher sind sich weltweit darüber einig, dass im Interesse der Menschheit alle Anstrengungen auf den bedrohlichen CO2-Anstieg und die Klimaerwärmung fokussiert werden müssen.
Versiegelter Boden nimmt kein Wasser mehr auf. Dafür absorbiert er aber mehr Wärme und wirkt wie ein Brandbeschleuniger bei Klimaänderungen. Es bildet sich weniger Grundwasser, damit werden die Wasserkreisläufe beeinträchtigt. Es kommt zu überhitzten Ortskernen und einem Verlust an Biodiversität. Starkregen führt schnell zu Hochwasser, weil er nicht versickern kann.
Bodenversiegelung begünstigt Extremereignisse.
"Es regnet, es regent, das Wasser steigt an - aber schuld daran ist nicht höhere Gewalt. Sondern wir Menschen mit unserer Siedlungspolitik und Bodenversiegelung". Gerhard Matzig, Süddeutsche Zeitung vom 17.09.2024, Feuilleton.
Stadtplaner warnen davor, Frischluftschneisen zuzubauen, die gerade in Zeiten steigender Temperaturen wichtig für das Klima in der Stadt sind.
Die Kommunen in Deutschland sind seit dem Klimaanpassungsgesetz vom 1.7.2024 verpflichtet, ihre Bürger vor extremer Hitze und Starkregen zu schützen. Darum müssen die Städte ihre Grünzonen bewahren und erweitern! Stattdessen setzen der Bürgermeister und der Gemeinderat weiterhin auf Verschleiß der Grünflächen. Wie sollen in der Zukunft Lebensqualität und Klimaschutz gesichert werden, wenn unsere Stadt in der Gegenwart Grünflächen beseitigt und Klimaschutzmaßnahmen unterläuft?
Das geplante Baugebiet am Buchwald ist landwirtschaftliche Nutzfläche der höchsten Kategorie ( Vorrangflur Stufe 1,Bodenzahlen 62 und 63 ). Der Wunsch der Menschen nach gesundem regionalen Essen und Biolebensmitteln steigt von Jahr zu Jahr. Die Biolandwirtschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung, ist aber besonders flächenintensiv. Daher brauchen wir in Zukunft jeden Quadratmeter Ackerboden. (BUND Baden Württemberg Flächenschutz)

Ein Teil des geplanten Baugebiets besteht aus einer Wiese, die mit ihrer Vielfalt an Wildkräutern und Blüten für unsere Insekten lebenswichtig ist. Das gesamte Baugebiet bietet Wildtieren, Wiesen- wie Waldbewohnern, Deckung und Nahrung. So wird zum Beispiel regelmäßig eine Schleiereule gesichtet, die nun mit vielen anderen Tieren verdrängt wird und ihren Lebensraum verliert.
Ein weiteres Beispiel ist der Rotmilan. Er benötigt zum Nahrungserwerb bestellte Ackerflächen und Wiesen.
Es wird von Gemeinderatsmitgliedern eingewendet, dass es ja" nur Intensivacker und Maisanbaufläche sei". Abgesehen davon, dass abwechselnd auch Getreide und Raps angebaut wird, bietet gerade der Mail vielen Tieren ab Juli, wenn die Vegetation geerntet ist, ein ein ideales Rückzugsgebiet. Rehwild, Schwarzwild, Hasen und Füchse finden sich ein.
Studien der Aulendorfer LAZBW (Landwirtschaftliches Zentrum Baden Württemberg) haben ergeben, dass sich entgegen den Erwartungen in Maisfeldern ein reichhaltiges Insektenleben entwickelt. Mais, Raps und andere Feldfrüchte stellen für Bienen eine wichtige Nahrungsquelle dar.
Das Baugebiet trägt zum weiteren Verlust der Artenvielfalt bei.


Das Buchwaldgebiet dient den Einwohnern und Gästen als leicht erreichbares Wander- und Erholungsgebiet. Der Weg durch das geplante Baugebiet gehört zum Wanderwegenetz. Aulendorf als Klinikstandort wirbt mit seinen schönen Landschaften. Durch das geplante Baugebiet wird das grüne Band vom Stadtpark bis zum Wald mit seinen Aussichtspunkten zerschnitten. Der Blick sowohl auf den Wald als auch ins Schussental und auf die Alpen wird zerstört. Dieses wunderschöne Fleckchen Erde wird unwiederbringlich verloren gehen. Es sollte zum Wohl der Allgemeinheit und der nachfolgenden Generationen erhalten werden. Das Recht auf Gesundheit sollte nicht übergangen werden.
Die geplante Bauweise aus Beton und Glas, laut Architektin Frau Kasten am 20.12.21 wie am Bahnhof`an der Waldseer Strasse, wirkt am Waldrand wie ein Fremdkörper. Es ist zu befürchten, dass das geplante Baugebiet die Eintrittstür für größere und weitere Anschlussbebauungen in nachfolgenden Jahren wird. Der bisherige Bebauungsplan garantiert keine kontrollierte Steuerung.
Ist es außerdem in die Zukunft gedacht, angesichts der zunehmenden Hitzesommer mit Waldbrandgefahr auch in Deutschland, nah am Waldrand zu bauen? Der Abstand beträgt nur 40m. Der Buchwald besteht überwiegend aus Nadelgehölz.
Die Stadt nutzt das "Totschlagargument", dass Aulendorf mehr Wohnraum brauche. Dafür braucht es aber nicht das Buchwaldgebiet. Es gibt in der Stadt freie städtische und private Flächen, sogar im Stadtkern. Es gibt außerdem zahlreiche dringend sanierungsbedürftige und leerstehende Häuser und Gewerberäume.
Es besteht somit ein großes Potential, über Neubau, Aufstockung, Erweiterung und Sanierung den Wohnungsbau und die Innenstadt in ihrem gesamten Erscheinungsbild weiterzuentwickeln. In bestehenden Bauten und auf bereits versiegelten Flächen kann bezahlbares Wohnen realisiert werden! Diese Art zu bauen sollte von der Stadt vordringlich gefördert werden.
Es wurden in den letzten Jahren viele neue Wohnungen in Aulendorf geschaffen wie am Stadtpark oder in der Waldseer Strasse. Allerdings wurden diese Bauprojekte an Investoren und Großbauunternehmen delegiert, deren Interesse ausschließlich auf Rendite, nicht aber auf das von der Stadt zu wahrende Interesse der Bürger ausgerichtet ist. Eigene Konzepte des Bauamts zur Stadtentwicklung und-gestaltung liegen bisher nicht vor. Dabei stellt die Landesregierung Baden- Württemberg fachliche und finanzielle Unterstützung zur Verfügung, wenn Kommunen konkrete Entwicklungskonzepte für die Innenentwicklung ihrer Stadt vorlegen.
Der Wunsch nach einem Eigenheim ist bei jungen Familien ungebrochen. Fakt ist aber, dass die Grundstücke kleiner sind als früher wegen der Verteuerung und Verknappung von Grund und Boden. Neue Wohngebiete zeichnen sich durch Sichtschutzmauern zur Wahrung der Privatsphäre aus. Der gewünschte Garten ist oft nur monotones Abstandsgrün. Ein neues Eigenheim `im Grünen` ist in Wahrheit zum Luxus für Millionäre geworden.
In Aulendorf gibt es viele betagte und alleinstehende Hausbesitzer, die bei veränderten Wohnbedürfnissen die Bereitschaft zu einem Umzug haben. Sie können aber auf Grund fehlender Alternativen ihr Haus nicht an junge Familien weitergeben. Wer Haus und Garten besitzt, verlässt diese nur für eine attraktive und gleichzeitig bezahlbare Wohnung im bisherigen Umfeld. "Einen alten Baum versetzt man nicht." Solche Wohnangebote für Ältere fehlen in Aulendorf komplett.
Die Stadt sollte sich bei den Bauplanungen daher mehr an der Zielgruppe der älteren Menschen ausrichten. Damit würde die Wiederbelegung der Ein -und Zweifamilienhäuser gesteuert. Wo ein Neubaugebiet entsteht, gibt es mehr Leerstand.
Die demografische Entwicklung Deutschlands zeigt, dass auf Grund der Überalterung und Übersterblichkeit zunehmend Häuser der "Babyboomer" frei werden. Es wird dann mehr Angebote an Häusern als junge Familien geben!
Die Erschließung des Baugebiets ist mit hohen Kosten verbunden. 2024 wurden diese vom beteiligten Ingenieurbür Kapitel mit 5,5 Mio. Euro berechnet. Dazu kommen noch Kosten für die Linksabbiegespur an der Saulgauer Straße mit Überlaufleitungen von ca. 1Mio. Euro und Regenwasserleitungen durch das bestehende Baugebiet Bildstock mit dem Retentionsbecken und die neue Zufahrtsstraße zur Hillstraße von ca. 200 000 Euro. Die Erschließung erfordert auch die Erweiterung der Infrastruktur (Kitas, Klassenräume, Freizeitangebote). Es müssen Folgekosten für Ver- und Entsorgung, Unterhalt von Straßen und Umweltkosten einkalkuliert werden. Diese Kosten tragen alle Bürger von Aulendorf. Bisher wurde keine Kosten- Nutzungrechnung vorgelegt.
Es stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit des Baugebiets.( lnv-bw/flächenfraß)
Man zahlt teuer für die Zerstörung des einmaligen Landschafts- und Erholungsgebiets in der Hoffnung, dass sich genug zahlungskräftige Häuslebauer und Investoren finden. Ist es nicht ein gewagtes Spiel und alles andere als verantwortungsvoll?
Wunderschöne Landschaft für Mensch und Tier soll vernichtet werden zugunsten von Wohnraum, der für Normalverdiener in Aulendorf unbezahlbar ist. (Anmerkung: die Kaufkraft der Aulendorfer liegt unter dem Durchschnitt von Baden Württemberg.)
Es liegt für das Baugebiet kein Flächennutzungsplan vor. Es handelt sich um eine landwirtschaftliche Fläche, die bis zu dieser Bauplanung nie für die weitere Stadtentwicklung vorgesehen war, vermutlich weil früheren Mandatsträgern die landschaftliche und landwirtschaftliche Wertigkeit des Gebiets bewusst waren.
Für das Baugebiet ist eine Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Der Beschluss hierzu würde parallel zum Beschluss der Offenlage des Bebauungsverfahrens gefasst.
Die Versiegelung von 4ha muss kompensiert werden. Die jetzige Planung sieht als Ausgleichsfläche den Verzicht auf eine Bebauung am Römerberg vor, wo sich eine Streuobstwiese befindet, die ohnehin als Wohnbaufläche heutzutage nicht mehr genehmigt würde, aber noch im Flächennutzungsplan für eine zukünftige Bebauung steht (W2). Diese Fläche von 1,2 ha würde aus dem bisherigen Flächennutzungsplan entnommen werden. Gleiches gilt für einen Ackerfläche neben dem Stadtpark (W3) mit 2,8 ha. Diese Flächen würden damit vorerst weiter wie bisher bestehen bleiben. Dies ist keine Kompensation! Wenn am Buchwald versiegelt wird, müsste dafür an anderer Stelle entsiegelt werden oder es müssten aus ökologisch minderwertigen Flächen höherwertige entstehen. Und: Wo ist der Ausgleich für den Eingriff in das Landschaftsbild?
Fazit: - die Fläche darf wegen ihrer Klima- und Erholungsfunktion nicht bebaut werden
- die Bebauung öffnet Tür und Tor für weitere Bebauungen der anschließenden Ackerflächen nach Norden
- es wird am Buchwald keinen preiswerten Wohnraum geben
- es gibt andere Standorte in Aulendorf, um Wohnraum zu schaffen ohne Umweltkonflikte (z.B. geplante Baugebiete Ob der Ach, Zollenreuter Straße, Kornhausareal, Schulstraße)
und weitere Alternativen und Optionen, s. auf der Seite Alternativen
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